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Stress – nützlich und hilfreich

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Bei vielen Menschen löst das Wort “Stress” sofort  eine Kette negativer Gedanken und Gefühle aus. Stress verursache Übergewicht, Schlafstörungen und Herz-Kreislauferkrankungen. Seit jeher gilt es, Stress zu vermeiden. Yoga, Qigong und Wellness-Angebote boomen, es gibt unzähliche Angebote zur effektiven Stressbekämpfung und inneren Balance. Und genau darum geht es: um die Balance. Wir brauchen Phasen der Anspannung und der Entspannung. Stress ist per se nichts, was uns schadet. Tatsächlich ist sogar erwiesen, dass Stressreize die Voraussetzung für das Finden von Lösungsstrategien und das Vorankommen in Beruf und Alltag ist. Stress lässt uns bessere Leistung erbringen und uns über uns hinauswachsen.  Natürlich gibt es auch die andere Seite der Medaille und zwar immer dann, wenn der Stress chronisch wird, die Stressreize nicht nachlassen und uns auf Dauer krank machen. Doch von Anfang an:

Was genau passiert bei Stress?

Stress, das sind durch bestimmte äußere Reize (sogenannte Stressoren) ausgelöste psychische und körperliche Reaktionen. Dieser Mechanismus soll uns befähigen, auf besondere Anforderungen und Situationen zu reagieren und diese zu bewältigen. Müssen wir beispielsweise einen Auftrag erledigen und stellen fest, dass uns nur wenig Zeit dafür bleibt, schüttet der Körper Stresshormone aus. Er passt sich der Belastung an, Energie wird freigesetzt, das Gehirn wird besser durchblutet und wir können uns leichter konzentrieren. Letztendlich beruhen viele positive Effekte auf einer leichten Stressreizung unseres Körpers. Sport zum Beispiel erhöht den Sauerstoffumsatz in unseren Zellen, es fallen aggressive Sauerstoffradikale an, dies führt wiederum zu einer Aktivierung der körpereigenen Entgifungssysteme.Stress stärkt also unseren Körper, indem er sich anpasst.

Stress ist sinnvoll

Stress ist also sehr nützlich für uns, doch warum versuchen wir ihn dann in jeder Form zu meiden? Es liegt in der Natur des Menschen, möglichst  oft Situationen aufzusuchen und Verhaltensweisen aufzuzeigen, die angenehme Konsequenzen nach sich ziehen. Dabei wird der Botenstoff Dopamin ausgeschüttet (→Belohnungsgefühl), sodass wir  bestrebt sind, diesen positiven Zustand immer wieder zu erzeugen. Doch genau das ist der Punkt: Befinden wir uns in einer stressreichen Situation, z.B. durch Zeitdruck und einem übervollen Terminplan, so haben wir zwei Möglichkeiten: Wir können die Termine verschieben und uns so kurzfristig aus der stressreichen Situation retten. Zunächst sind wir beruhigt, doch die Probleme sind damit nicht erledigt. Der Stress schlägt zurück, sei es in Form des schlechten Gewissens oder der Einsicht, dass wir unsere Aufgaben nicht rechtzeitig erledigen können. Die andere Möglichkeit ist die aktive Bewältigung der stressauslösenden Situation.Wenden wir uns also dem Problem und innerlich auch dem Stress zu, können wir die Aufgaben nach und nach abhaken. Das Bewältigen der Situation sorgt wiederum für Glücksgefühle, Dopamin wird ausgeschüttet.

Distress – ständig in Alarmbereitschaft

Stress scheint also der Antrieb zu sein, um einen glücklichen und erfüllenden Zustand zu erreichen. Anders sieht es  aus, wenn wir keine Möglichkeit mehr haben, uns zu regenerieren. Wir sind dauernd überfordert und im Zeitdruck, auf aufwühlende Situationen folgen keine Entspannungs- und Belohnungsphasen Der Körper steht in ständiger Alarmbereitschaft. Zudem gelangen wir in eine andauernd belastenden Zustand, wenn hohe Anforderungen an uns gestellt werden, wir aber gleichzeitig einen geringen Entscheidungsspielraum zur Verfügung haben. Dies ist der Fall, wenn die Arbeitsschritte genau vorgeschrieben und in einer bestimmten Reihenfolge auszuführen sind. Leiden wird permanent unter dieser Form von Stress (dem sogenannten “Distress”), sorgt das für negative gesundheitliche Folgen, wie Depressionen, Schlafstörungen, Infektionen, chronische Schmerzen und im schlimmsten Fall Burnout. Die häufig angewandten Bewältigungsstrategien wie Rauchen, schlechte Ernährung und übermäßiger Alkoholkonsum und nicht wirklich erholsameFreizeitaktivitäten wie Fernsehen, permanente Smartphone und Laptop-Nutzung, sorgen dafür, dass sich die negativen Auswirkungen des vermeintlich nützlichen Stress verdoppeln und uns so noch tiefer in die Abwärtsspirale ziehen.

Die richtige Einstellung

Wir sollten also akzeptieren, dass eine Situation jetzt unangenehm ist und einer aktiven Bewältigung bedarf. Stressoren wie Hitze, Hektik oder Konflikte lauern überall. Hier ist der Umgang mit den einzelnen Situationen entscheidend. In Beruf und im Alltag werden wir ständig neu gefordert und geraten häufig an unsere Grenzen. Letztendlich ist es ist die Einstellung zum Stress, die uns tatsächlich krank macht und nicht der Stress selbst. Haben wir also wieder gefühlt zu viele Aufgaben, hilft es erstmal, sich einen Überblick zu verschaffen und eine To-Do Liste zu erstellen. Oft haben wir nur das Gefühl, unter Zeitdruck zu stehen, da wir alles zu Erledigende aufbauschen. Dann ist es sinnvoll zu überlegen, welche Aufgaben wichtig sind und unbedingt erledigt werden müssen und welche vielleicht keine hohe Priorität besitzen. Durch die Bewertung der Aufgaben können wir eine Neusortierung vornehmen und uns gegebenfalls von weniger wichtigen Aufgaben trennen. Auch hier bewirkt die Bewertung der Situation wahre Wunder und nimmt das unangenehme Stressgefühl raus.

Perspektive ändern

Grundsätzlich ist es hilfreich, die Situation zu akzeptieren wie sie ist und zu versuchen, die eigene Perspektive zu ändern. Häufig stressen wir uns selbst, indem wir uns zusätzlich negative Gedanken aufladen. “Das muss ich heute noch erledigen”, “Das muss perfekt werden”, “Es läuft heute einfach nicht so, wie ich es will”, sind einige davon. Stress entsteht aus dem Gefühl, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Was ist denn, wenn wir uns mal nicht so viel vornehmen, Anforderungen an uns selbst etwas zurückschrauben und so ein bisschen den Druck nehmen? Eine positive Einstellung zum Leben und weniger hohe Ansprüche an uns selbst, nehmen dem Stress den Wind aus den Segeln.

Bewegung im Alltag

Der Mensch ist der geborene Läufer. Jeder Muskel und jede Faser unseres Körpers ist dazu gemacht, permanent gefordert zu werden und lange Strecken zu Fuß zurückzulegen. Früher war dies uneingeschränkt möglich. Unser Körper arbeitet noch genau so wie vor Tausenden von Jahren und ist auf ein Leben mit Bewegung angepasst. Leider lässt der Alltag vieler Menschen nur wenig Bewegung zu. Dies führt dazu, dass wir schneller krank werden, weniger leistungsfähig sind und Stress besonders hart zuschlägt. Bewegung, sei es Treppensteigen, spazieren gehen oder Joggen, hilft Stresshormone abzubauen und gibt uns ein positives Grundgefühl. Dies wirkt sich auf die Arbeit aus und der Stress hat weniger Angriffsfläche.

So schlecht das Image von Stress auch sein mag, so nützlich ist er, wenn wir einen Extraschub an Energie und Konzentration brauchen. Daher sollten wir Stress eher als hilfreichen Verbündeten ansehen und lernen, sinnvoll mit Situationen umzugehen, die besonders herausfordernd sind.

 

 

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