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Das macht kreative Köpfe aus

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Den wackelnden Computermonitor mit einem zusammengeklebten Bebibel-Wachsstück stabilisieren, einen Brotschneidekrümelablauf erfinden, mit dem Kajalstift schnell ein Balkendiagramm zeichnen oder Pizza praktisch mit einer Schere schneiden – All das hört sich skurill an und doch ist dem Ursprung dieser Lifehacks ein gemeinsamer Moderator inhärent, aus dessen Quelle nicht nur Meilensteine in Forschung und Wissenschaft, sondern auch große Erfolge und funkelnde, nie-endende Inspiration aus Kunst und Kultur entsprungen sind: Die Kreativität.

Was ist Kreativität?

Die Kreativität ist eine angeborene Fähigkeit des Menschen. Sie befähigt uns, neue, originelle und gleichzeitig nützliche oder brauchbare Dinge zu erschaffen. Auch Kunst, wie Musik oder Romane haben einen ästhetischen, sinnstiftenden Nutzen. Es gibt zudem die Unterscheidung zwischen alltäglicher und außergewöhnlicher Kreativität. In den oben genannten Beispielen wurde treffend die Alltagskreativität beschrieben, große Geniestreiche von Einstein oder Goethe lassen sich eher der außergewöhnlichen Kreativität zuschreiben. Dazwischen gibt es viele Stufen und der McGiver-mäßige Gebrauch von Post-its als Tastatur-Reiniger kann sich auch später zum großen Erfindertum mausern. Abhängig von eigenen Begabungen, dem Wissen und der Motivation kann kreatives Potential entweder verkümmern, oder zu Erfolgen führen.

Lösungswege beschreiten oder gleich einen neuen Weg frei machen

Immer und zu jeder Zeit stehen Menschen vor Problemen. Wie laufe ich über den gewischten Boden, ohne Fußabdrücke zu hinterlassen? Welche Pastelltöne bringen ein Sonnenuntergangsstillleben zur Geltung? Wie vermeide ich Plastikmüll im Alltag? (tricky, aber machbar!) Probleme verlangen nach Lösungen. Bringt etwas nichts, müssen neue, innovative Ideen her. “Eine zeitnahe Lösung für ein Problem mit ungewöhnlichen, vorher nicht gedachten Mitteln und mehreren Möglichkeiten der Problemlösung, die für das Individuum vor der Problemlösung in irgendeiner Weise nicht denkbar ist”, zu finden, beschreibt kreatives Tun. Ein kleiner Test, um Ihr kreatives Potential zu messen, umfasst das Lösen von Aufgaben wie:

  • Nenne alle runden Gegenstände, die Dir einfallen
  • Zähle innerhalb von 2 Minuten so viele weiße, essbare Dinge auf, wie möglich
  • Zähle alle Verwendungsmöglichkeiten für einen Ziegelstein auf

Wie viele verschiedene Ideen dabei generiert werden und wie einzigartig und ungewöhnlich diese im Vergleich zu anderen sind, entscheidet über das Ausmaß der Kreativität. Dies ist nur ein Test nach dem Ansatz der Messung des divergenten Denkens und es gibt zahllose weitere Methoden zur Erfassung der Kreativität.

Kein Filter, mehr Kreativität

Menschen mit besonderer Kreativität, zeichnen sich durch bestimmte Persönlichkeitseigenschaften aus. Sie haben häufig eine verschiedene Wahrnehmnung und Interpretation von der Umwelt und filtern unwichtige Informationen eher nicht heraus. Werden bestimmte Reize als nicht relevant eingestuft, verschwinden diese aus unserem Bewusstsein. Normalerweise filtert man so Unwichtiges vom Wichtigen und besinnt sich infolgedessen nur auf das Wesentliche. Viele kreative Köpfe haben ein “löcheriges” Filtersystem, zahlreiche Reize werden einfach ins Bewusstsein geschleust und entfalten dort ihre Wirkung. So nehmen Kreative viele zarte Details ihrer Umwelt auf, die andere Menschen nie wahrnehmen würden.

Reizüberflutung als Quell der Kreativität?

Zum Schutz vor störenden Reizen, haben wir ein funktionierendes Filtersystem. So können wir straight und klar denken. Man nennt diese Filtration auch latente Hemmung. Wer wenig “latent gehemmt wird” hat folglich wesentlich mehr Reizmaterial zu verarbeiten und dementsprechend mehr Stoff für gute Ideen. Allerdings ist diese besondere Form die Welt wahrzunehmen auch sehr fehlerbehaftet. Eine höhere Anfälligkeit für Ablenkungen und im schlimmsten Fall psychische Erkrankungen gehen mit verringerter latenter Hemmung einher. Eine Harvard Studie zeigte, dass sehr kreative Personen besonders geringe Werte in Tests zur latenten Hemmung erreichten. “Wenig kreative Personen ordnen ein Objekt ein und vergessen es dann, obwohl es möglicherweise deutlich komplexer und interessanter ist, als es auf den ersten Blick erscheint. Kreative Menschen hingegen sind immer offen für neue Möglichkeiten”, sagt Jordan Peterson, Autor der Studienergebnisse.

Intelligenz organisiert kreatives Potential

Eine Voraussetzung, um Außerordentliches oder Neuartiges zu schaffen, ist es, Wissen und Fertigkeiten zu besitzen. Aus dem Nichts kann keine Neuartige Erfindung entstehen, ohne die Fähigkeit zu Schreiben kein neuer Roman. Es gibt einen interessanten Zusammenhang zwischen dem IQ und der Kreativität: Bis zu einem IQ von 120 korrelieren sie positiv miteinander, was soviel heißt wie: Je kreativer jemand ist, desto intelligenter ist er auch. Dieser Zusammenhang besteht allerdings nur bis zu einem IQ von 120 und verschwindet dann. Hochbegabung ist also kein Garant für eine kreative Begabung. Goethe konnte auf jeden Fall auf beiden Seiten punkten.

Die Aufmerksamkeit Kreativer ist zusätzlich defokussiert und losgelöst von starren Vorgaben und Richtlinien. Eine unkonventionelle Herangehensweise an Probleme und Aufgaben fördert das Finden origineller Lösungen. Im Gegensatz dazu sind Menschen, die sich eher an Richtlinien halten, effizient im analytischen, konvergentem Denken und haben weniger Probleme mit alltäglichen Routineaufgaben und adaptiven Lösungen. Sie halten sich zudem eher an Regeln.

Unkonventionelle Regelbrecher

Kreative dagegen sind eher dazu geneigt, auch mal Grenzen zu übertreten und sich weniger an Regeln zu halten. In einer Studie zu dem Thema haben Francesca Gino und Dan Ariely herausgefunden, dass gerade kreative Personen gerne schummeln, wenn sich die Gelegenheit bietet. Die Probanden erhielten für das Beantworten bestimmter Fragen für jede richtig gelöste Aufgabe Geld. Sie mussten dafür selbst angeben, wie viele Aufgaben sie richtig gelöst hatten. Je kreativer der Proband, desto eher wurde gemogelt. Mitarbeiter kreativer Abteilungen gaben zusätzlich an, häufiger Kleinigkeiten wie Kugelschreiber oder Druckerpapier mitgehen zu lassen. Für Menschen, die zu innovativem Problemlösen neigen, sind Regeln eher zum Brechen dar.

Offenheit für Andersartigkeit

In Studien wurde nachgewiesen, dass Kreative besonders über das Persönlichkeitsmerkmal der Offenheit für Neues verfügen. Zeitgleich hat diese stark ausgeprägte Offenheit einen interessanten Effekt auf die Wahrnehmung, der sich bei den besonders kreativen Köpfen zeigte: Sie kombinieren mehrere Sinneseindrücke miteinander, statt diese nur getrennt wahrzunehmen. In dem Experiment wurden den Probanden auf einem Auge ein rotes und auf dem anderen ein grünes Quadrat dargeboten. Normalerweise kann unser Gehirn diese Eindrücke nicht miteinander verbinden und schickt unserem Bewusstsein dann die beiden Informationen: “Grünes Quadrat” und “Rotes Quadrat”. Scheinbar gibt es Ausnahmen. Wer  sich in dem Persönlichkeitstest als besonders offen herausgestellt hatte, sah tatsächlich häufiger ein rot-grünes Mischbild. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass Menschen, die unkonventioneller denken, auch die Welt anders wahrnehmen.

Kreativität im Büro

Das meiste, was uns an Büroarbeit denken lässt, hat die Eigenart, genau das Gegenteil von Kreativität zu sein. Routinearbeiten wie Standard-Mails verfassen, Papier schreddern, Akten drucken und archivieren gehören nicht zu den geistig herausfordernsten Aufgaben. Doch könnte sich dieser Schwerpunkt in Zukunft verschieben, zugunsten Kreativität fordernder Aufgabenbereiche. Klassische Bürotätigkeiten wie Verwaltung und Archivierung könnten in Zukunft von künstlicher Intelligenz übernommen werden. So bleiben für Mitarbeiter mehr Gelegenheiten, deren kreatives Potential auszuschöpfen.

Wer anders denkt, als andere, kann oft mit guten Ideen aufwarten und mit traditionellen, starren Gegebenheiten brechen. Besonders im Marketingbereich ist kreatives Denken gefragt. Kampagnen zu entwerfen verlangt nach Originalität und Neuheit. Wer hingegen eine Steuererklärung ausfüllt, fährt mit Kreativität auf der falschen Spur 🙂

Anne-Marie Schiede
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