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Belastende Büroarbeit? Welche typischen Krankheiten Schreibtischarbeit nach sich ziehen kann

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Büroarbeit erscheint auf den ersten Blick für die meisten wohl als wenig gefährlich, besonders schonend und komfortabel. Berufskrankheiten werden eher mit hoher körperlicher Belastung, oder Arbeiten unter gefährlichen Bedingungen wie Höhe assoziiert. Doch tatsächlich arbeiten heute mehr Menschen denn je in Büros und somit hat sich auch der Schwerpunkt in Sachen Risiko am Arbeitsplatz verlagert. Und wer glaubt, den ganzen Tag im kuschligen, sicheren Büro zu sitzen, sei ungefährlich, der irrt 🙂 Viele Berufe können auf Dauer krank machen und die Arbeit am Schreibtisch ist da keine Ausnahme. Welche typischen Bürokrankheiten es gibt und wie Sie diesen vorbeugen können:

Muskel-Skelett Erkrankungen

Karpaltunnelsyndrom

Eine der häufigsten Bürokrankheiten ist das Karpaltunnelsyndrom. Durch die ständige Arbeit mit Tastatur und Maus, wird das Handgelenk permanent falsch belastet und führt zu den typischen Beschwerden wie Kribbeln und Taubheitsgefühle und Schmerzen im Bereich vom Daumen bis zum Mittelfinger. Diese zunächst noch halbwegs harmlosen Symptome können, wenn nichts unternommen wird, wesentlich schlimmer werden und in Arm- und Handschmerzen resultieren. Grund dafür ist eine durch dauerhaft “abgeknickte” Handgelenke, ausgelöste Schädigung des Mittelnervs des Handgelenks. Wer dem vorbeugen möchte kann mit Sport (Yoga und Dehnübungen für die Handgelenke), einer gesunden Ernährung (Omega3 Fettsäuren beugen Entzündugen im Körper vor) und mit einer Handgelenkauflage entgegensteuern.

Rückenschmerzen

Besonders Menschen, die den Großteil des Tages mit Sitzen verbringen, sind gefährdet für Rückenschmerzen. Der vermeintlich bequemere “Rundrücken” verschlimmert die Angelegenheit. Das Sitzen beansprucht unsere Wirbelsäule wesentlich stärker als Stehen oder Gehen. Der Druck, der auf die Bandscheiben ausgeübt wird, entspricht beim Stehen 100 Prozent, beim vorgebeugten Sitzen ist der Druck um ganze 90 Prozent höher! Gesünder ist es, leicht zurückgelehnt zu sitzen.

Der früher oft gehörte Satz: “Sitz gerade!” sollte nicht uneingeschränkt befolgt werden. Wer keine ausreichend gestärkte Rückenmuskulatur besitzt, läuft Gefahr, seinen Rücken und den Nackenbereich zu sehr zu belasten und Schmerzen und Verspannungen zu riskieren. Besser ist es, öfter mal die Sitzposition zu wechseln, sich mal nach vorne und hinten zu lehnen und möglichst verschiedene Bewegungen zu machen. Hauptsache, sie verharren nicht über Stunden starr in einer Sitzhaltung. Unterstützend wirken hier natürlich auch ergonomische Stühle, in denen man sich flexibel und bequem bewegen kann.

Allerdings können auch psychische Ursachen für Verspannungen und Schmerzen im Schulter- Rückenbereich zuständig sein.

Psychische Krankheiten

Arbeitsunfähigkeit ist in Deutschland am dritthäufigsten psychischen Erkrankungen geschuldet, neben Muskel-, Skelett- und Atemwegserkrankungen. Statt körperlich gefordert zu werden, wird heute besonders die Psyche belastet.  Möglichst viel Leistung in wenig Zeit zu bringen und eigene Bedürfnisse zu ignorieren, wird den meisten schon früh eingebläut und unreflektiert über Jahre hinweg kultiviert. Dass dieses Verhalten in den meisten Fällen nicht gerade effizient ist, scheint vielen Arbeitnehmern und -gebern nicht bewusst zu sein, oder es wird schlicht und einfach ignoriert. Auch das Arbeitspensum, ständige Störungen und ein eingeschränkter Handlungsspielraum machen auf Dauer seelisch krank, genauso wie zu viel Verantwortung.

Nicht immer kommt es allerdings zu Burn Out, Ängsten oder Depressionen. Zunächst ist es wichtig, sich selbst gegenüber achtsam zu sein und zu schauen, was man sich selbst Gutes tun kann, um sich psychisch zu entlasten. Das sollte allerdings nicht der “Ausgleich-Konsum” sein, sondern wirklich sinnvolle Beschäftigungen wie Yoga, Bier-Brauen oder Angeln 🙂 Egal was, Hauptsache es wirkt nachhaltiger als nur stumpfes Besitz-Ansammeln. Wer dafür keine Zeit hat, da die Arbeit diese fast komplett einnimmt, sollte unbedingt seine Prioritäten klären. Wer nur für die Arbeit lebt, wird auf Dauer unglücklich und krank.

Das Erlernen von Coping- oder Stressbewältigungskompetenzen wie Genusstraining und Zeitmanagement gehören ebenso zu den Schutzfaktoren, wie ein Soziales Netz, dass als Puffer gegen Stress und Belastungen wirkt. Alleine das Zugehörigkeitsgefühl und die Möglichkeit, Hilfe in Anspruch zu nehmen, sind Voraussetzungen dafür, dass man von Krankheiten und Schicksalsschlägen weniger hart getroffen wird. Auch auf der Arbeit selbst sorgen ein harmonisches Miteinander und das gerechte Aufteilen der Aufgaben im Team dafür, dass Berufsstress abgepuffert wird.

Kopfschmerzen

Die schier unzähligen möglichen Ursachen von Kopfschmerzen machen diese zu den bekanntesten Beschwerden. Im Büro lauern einige Quellen für Kopfschmerzen und Migräneanfälle. Dazu zählen zu langes Arbeiten am Bildschirm, die falsche Beleuchtung, Schlaf- und Flüssigkeitsmangel. Wer häufig unter Kopfschmerzen leidet, sollte seinen Lebensstil ersteinmal überdenken. Regelmäßige (Bildschirm-) Pausen, etwas mehr Bewegung, frische Luft und regelmäßiges Trinken lösen das Problem meist schon von selbst. Manchmal ist es allerdings damit nicht getan. Sekundäre Kopfschmerzen entstehen z.B. durch Verletzungen von Kopf und Halswirbelsäule. Auch Bluthochdruck oder Virusinfektionen sind an den Schmerzen mitunter beteiligt. Wer unter besonders starken und/oder langanhaltenden Schmerzen leidet, sollte also einen Arzt aufsuchen.

Herz-Kreislauf Erkrankungen

Herz-Kreislauf Erkrankungen sind hierzulande Todesursache Nr. 1 und es gibt individuelle und zusätzlich vielfältige Ursachen. Die Arbeit im Büro schadet unserem Herzkreislaufsystem leider, psychische Faktoren wie Stress und Leistungsdruck tun ihr Übriges. Risikofaktoren sind Übergewicht und Bluthochdruck. Präventiv wirken auch hier Bewegung und gesunde Ernährung, aber auf ganzheitliche Art.

Mehr Gesundheit ohne strikte Regeln: Ein kleiner Exkurs zur Verhaltensänderung

Statt dogmatisch irgendwelche Ernährungsregeln zu befolgen und vor lauter Überforderung gleich das Handtuch zu werfen, ist ein “leichterer” Einstieg sinnvoller. Mit kleinen Schritten zu beginnen und sich möglicherweise erst einmal vorzunehmen, Nüsse statt Gummibärchen zu essen ist schon super. Legt man sich dann für die folgenden 2-4 Wochen ein nächstes Ziel (wie die Treppen bis in den 3. Stock zu nehmen o.ä.), dann hat man vielleicht weniger das Gefühl, vor unlösbaren Aufgaben zu stehen und erlebt schneller Erfolgserlebnisse. Nur so lässt sich langfristig eine Umstellung des aktuellen Lebensstils erreichen.

Gut gemeinte Ratschläge und Regeln wie: “Grüne Smoothies sind unverzichtbar” oder “Nur durch Laufen nimmt man ab” mögen für einige Leute funktionieren, die meisten jedoch geben angesichts solcher Aussichten lieber gleich auf, da es nicht zu ihrem Lebensstil passt. Statt sich an dogmatischen Diätregeln zu orientieren und dadurch womöglich sogar eine Abneigung gegen “alles was gesund ist” zu entwickeln, sollten Sie diese zunächst besser ausblenden. Gehen Sie stattdessen  kleine Veränderungen ein und passen den gesunden Lebenswandel ihrem Leben an und nicht umgekehrt! Es geht nicht darum, super “shredded” und durchtrainiert zu sein, um seine “Erfolge” bei Instagram zu posten, sondern nur darum, dass Sie sich wieder wohl und glücklich fühlen und unnötige Krankheiten (wie Diabetes Typ 2) vorbeugen. Das Erfolgs- und Glücksgefühl stellt sich schon nach wenigen Veränderungen ein: Nach einem  Spaziergang oder einem durchgehaltenen vegetarischen Tag etwa. 🙂

Anne-Marie Schiede
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