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Als Anti-Erdmännchen gegen unser negatives Gehirn

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Angst: Super mit dem Leben vereinbar!

Unser Gehirn ist nicht dafür gemacht, alles Positive in sich aufzusaugen, das Schlechte sofort zu vergessen und uns immer wieder zu zeigen, wie hell, sicher und glücklich die Welt scheint. Stellen Sie sich vor, Sie würden immer wieder vergessen, dass es gefährlich sein kann auf einer befahrenen Straße zu laufen (Haha, Ich Schusselchen) oder Sie würden sich mit Menschen einlassen, die offensichtlich gefährlich sind, aber in Ihrem Hirn ist kein Platz für schlechte Nachrichten über Mord und Verkehrsunfälle. Andersherum ist es weniger gravierend: Dass schon lange niemand über Sie während eines Vortrags gelacht hat, haben Sie zwar registriert, sie machen trotzdem einen großen Bogen um Präsentationen vor vielen Menschen. Dass Sie Hunden aus dem Weg gehen, tut niemandem weh (vielleicht dem süßen Hundi, ob des Verschmähens), aber es hat da mal diesen einen Vorfall gegeben!

Unsere genetische Ausstattung ist nicht topaktuell und unser Körper “glaubt” sich in einer steinzeitlichen Umwelt. Hier gibt es wenig Nahrung und das Verlangen nach fettigem Fleisch und allem was süß ist, rettet Leben. Ebenso unsere Angewohnheit sich, in den wenigen Ruhephasen (in denen man nicht jagen oder durch die Gegend streifen muss), hinzusetzen und Energien zu sparen (dabei im besten Fall Energie zuzuführen). Wir sind Steinzeitmenschen im 21. Jh.

Die Mopsparabel

Wir leben in einer Zeit, in der eine einmal gemachte, negative Erfahrung in der Regel zumindest ein Menschenleben lang Relevanz haben wird. Beispiel: Man wird von einem wilden Tier angegriffen, ein Wolf vielleicht. Die dringend abgespeicherte information, dass man dieses Tier in Zukunft meidet, ist auch mindestens Jahrzehnte später wichtig! Die Evolution braucht einfach länger als die Entwicklung unserer kulturellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten. Ein Tier das heute gefährlich ist, wird in einigen Jahren nicht plötzlich zum Kuscheltier. Wenn wir allerdings in unserer Kindheit von einem nervösen Mops gebissen worden sind, dann muss nicht jeder andere Mops potentiell gefährlich sein, da Möpse erzogen werden, also kulturell geformt durch den Menschen. Der nächste Mops, der Ihnen begegnet ist vielleicht superfreundlich, doch Ihr Gehirn macht Ihnen die Erfahrung, einen freundlichen Mops kennenzulernen madig (was schade ist).

Unser Körper weiß noch nicht, was hier abgeht

Umso mehr Wissen besteht, desto komplexer wird unsere Kultur. Die Welt in der wir leben, entwickelt sich so schnell, dass wir mit unserer genetischen Ausstattung schon lange nicht mehr hinterherkommen. “Übergewicht ist schlecht? Aber gerade gestern (vor ca. 2,5 Millionen bis 10.000 Jahren) noch war es doch wichtig, Fett für Hungerzeiten einzulagern! Es gibt Burnout? Warum, unser Stresssystem ist doch prima, um Gefahren abzuwehren und dass wir jede schlechte News sofort unter “dringlich” abspeichern ist ein evolutionärer Geniestreich und total lebensdienlich!

Lieber ein Leben in Papua Neuguinea?

Dass wir fehler- und gefahrenorientiert denken ist also normal. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man lebt möglichst artgerecht und back to the roots. Wie wärs mit einem Leben im Dschungel in Papua Neuguinea? Oder man versucht sein Leben lang, irgendwie klarzukommen und Ausgleich zu finden und achtsam zu sein, ganz wichtig. Ach ja die dritte Möglichkeit besteht natürlich auch: Einfach vor sich hin neurotieren und sich seinen Ängsten hingeben. Da wirkt das Aussteigerleben gleich viel attraktiver. Für alle, die sich kein von der Gesellschaft abgeschirmtes Leben vorstellen können, bleibt nur: Das Gehirn austricksen! Übrigens gibt es mehr oder weniger starke Ausprägungen der Tendenz, Negativem besonders viel Aufmerksamkeit zu schenken. Es gibt durchaus glückliche, sorglose Menschen, die liebend gerne Risiken eingehen und absolut cool sind mit dieser Welt. Herzlichen Glückwunsch für euch! Alle anderen müssen das Gehirn eben austricksen, um klar zu kommen.

Aus dem negativem Gedanken-Verhalten-Strudel ausbrechen

Unsere Gedanken lenken unsere Aufmerksamkeit und letztendlich auch unser Verhalten. Negative Gedanken führen vermehrt zur Aufnahme negativer Informationen (und andersherum) und das Erleben negativer Situationen und schließlich erleben wir dadurch mehr Stress. Der Kreislauf geht immer so weiter. Stress (zum Beispiel durch Scham oder Angst ) schränkt unsere Handlungsspielräume ein und das verursacht Frust.

Wenn wir denken, wir seien eh zu unsportlich, ist unsere Aufmerksamkeit auf alles gerichtet, was die Annahme, sich nicht zu bewegen wäre richtig, untermauert. Dann bewegen wir uns tatsächlich weniger (grundsätzlich) und erleben nach und nach immer mehr Stress (auch weil wir ja eigentlich gesund und aktiv sein wollen.) Dieser Stress kann zum Beispiel dazu führen, dass wir uns überfordert fühlen und nicht wissen, wie wir jemals mit Sport anfangen könnten. Man hat einen Tunnelblick, der uns die objektive Sicht auf alle Möglichkeiten vernebelt. Aus diesem Mindf***-Karussel auszusteigen, gelingt dann, wenn man dieses stoppt und etwas verändert. Da Gedanken und Emotionen die Zutaten für die Petrischale unseres Verhaltens sind, kann man hier super ansetzen.

Seien Sie ein Anti-Erdmännchen!

Erdmännchen sind stets besorgt. Sie verbringen den Tag damit, die Umgebung nach möglichen Gefahren abzuscannen und reagieren sehr empfindlich auf Veränderungen. Furchtsam und hypernervös- ein Erdmännchen, welches täglich einen getakteten, reizüberfluteten, unruhigen Arbeitstag eines Menschen überstehen müsste, würde vor Angst einfach explodieren (ganz sicher!). Seien Sie das Anti-Erdmännchen! Richten Ihre Aufmerksamkeit genauso eifrig und motiviert auf die positiven News, die Dinge die Sie können, auf alles was Sie schon geschafft haben und ab und an auch mal auf nichts (Meditation ist ein absolutes Erdmännchen No-Go und deswegen gut für Sie).

Die eigene Realität Stimmungsfreundlicher gestalten

Indem Sie bewusst auswählen mit welchen Nachrichten Sie sich beschäftigen (personalisierte Newsticker richten sich nach Ihrem “Anklick”- Verhalten aus), welche Gedanken Sie zulassen oder stattdessen etablieren möchten (“Ich lauf einfach los, 10 Minuten reichen auch erstmal aus!”) und in Möglichkeiten denken, winden Sie sich nach und nach aus dem Strudel des Scheiterns heraus und Ihr Gehirn muss sich plastisch wie es ist neu austarieren und andere Strukturen aktivieren. Klar, alles Negative auszublenden ist nicht praktikabel. Alles was stresst, fordert allerdings weniger Kapazität und nimmt weniger Handlungsfreiheit, wenn wir es versuchen anderst zu bewerten. Statt zu denken: ” Der Mops rastet doch gleich voll aus und beißt mich. Aaah” lieber umswitchen zu:”Der scheint ganz lieb zu sein und mag mich bestimmt. Außerdem ist er cool mit Katzen, wir haben also etwas gemein.”

Das Steinzeitbrain austricksen, ein spaßigeres Leben führen

Sich also lieber auf das Gute in unserem Leben zu konzentrieren, abzuschalten von der ständigen Reizüberflutung (Waldbaden, Zeichnen, Journaling, Yoga, Meditation oder einfach Löcher in die Luft starren-egal was) und Umbewertung negativer Situationen hilft, unser Steinzeitbrain auszutricksen. Sich dabei negativen Situationen auszusetzen ist die Voraussetzung dafür, das Katastrophendenken (“Der Mops beißt bestimmt!”) langsam umzulenken und weniger lähmende, dafür konstruktivere und spaßigere Verhaltensweisen zu entwickeln. Zum Beispiel eine Mops-Auffangstation ins Leben zu rufen.

Anne-Marie Schiede
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